Natural Running oder "Barfuß Laufen" ist derzeit der neue Trend im Laufsport.

Aus sportmedizinischer Sicht ist das Abrüsten bei den Sportschuhen durchaus sinnvoll. Die Sportschuhentwicklung war über Jahrzehnte geprägt von dem Paradigma " dämpfen, stützen, führen". Zur Vermeidung von vermeintlichen Knorpelschäden wurden jedes Jahr neue Dämpfungssysteme auf den Markt gebracht.

Die Studien und Untersuchungen konnten jedoch, trotz immer ausgefeilteren Dämpfungssystemen, keinen Rückgang der laufassoziierten Erkrankungen des Bewegungsapparates nachweisen.

Im Gegenteil, gerade die mit Dämpfungselementen aufgerüsteten, überdimensionierten Fersenteile wurden in Zusammenhang mit der Entstehung von Achillessehnenbeschwerden gebracht.

 

Nachdem die Dämpfung der Schuhe zu keinem Rückgang der laufassoziierten Erkrankungen geführt hat, richtete man den Blick auf die Pronationskontrolle. Hierbei wurde jedoch nicht bedacht, dass ein Großteil der Instabilitäten im Rückfuss durch die erhöhten Dämpfungsteile hausgemacht war. Ferner stellt die normale Pronation einen wichtigen Baustein für die natürliche, körpereigne Dämpfung dar.

Wird die Pronation durch den Sportschuh blockiert, führt dies zwangsläufig zu einer Reduktion der körpereigenen Dämpfungskapazität.

So zeigte sich auch hier, daß die Einführung der Pronationskontrolle zu keinem Rückgang der laufassoziierten Erkrankungen führte.

Wie sollte der optimale Sportschuh gebaut sein ?

Die Probleme der meisten Sportschuhe sind die viel zu großen Hebelarme. Durch eine Absatzdicke von 15 bis 24 mm wird der Hebelarm auf das Subtalargelenk nahezu verdoppelt.

Dies führt zu einer Beschleunigung der Pronationsbewegung, zu einer Beschleunigung der Plantarflexion und zu einer Mehrbelastung der Muskulatur (M. tibialis anterior, M. tibialis posterior).

Deshalb sehen genau hier die Befürworter des "Natural Running" die größten Vorteile des neuen Schuhkonzepts.

Barfußschuhe sollten jedoch am Anfang nur als Trainingsgerät für kurze Distanzen und geringer Laufintensität verwendet werden. Zu beachten ist dann eine langsame Steigerung der Trainingsintensität.

Es findet automatisch eine Änderung des Laufstils statt. Der Fuß wird beim Natural Running automatisch flacher aufgesetzt.Daher kommt es kaum mehr zum "Fersenaufprall" und es besteht keine Notwendigkeit mehr für eine starke Dämpfung.

Der Fuß muss jedoch wieder viele Halte- und Stabilisierungsaufgaben übernehmen, die ihm durch Laufschuhe abgenommen wurden.

Der Fuß ist am Anfang in keinster Weise an die neue Belastungssituation gewöhnt. Knochenödeme, Stressfrakturen und Überlasstungsschäden anm Bändern und Gelenken können die Folge sein.

Deshalb ist eine extrem langsame Umstellung vom konventionellen Laufen auf das Natural Running erforderlich.

 

Quelle: Prof. Dr. med Markus Walter: Natural Running, Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin, 63 (2012) 91-92