Vortrag vor Schmerzspezialisten zum Thema Kopfschmerztherapie



Einladung der Universität Greifswald für Dr. Bernd Belles zum 12. Curriculum Anatomie und Schmerz vom 10.09.09 – 12.09.09 der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS) und der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI). 

Vortrag vor internationalen Schmerzspezialisten von Dr.Bernd Belles an der Universität Greifswald:

Der chronische Kopf- und Gesichtsschmerz, schmerztherapeutische FragestellungDr.Bernd BellesKopf- und Gesichtsschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden in der Bevölkerung und verursachen beträchtliche individuelle und volkswirtschaftliche Kosten. Fast ein Zehntel aller Arztbesuche erfolgt aufgrund von Zephalgien.

Klassifikation:
Die exakte Klassifikation von Kopf- und Gesichtsschmerzen ist der wichtigste Schritt zum Verständnis der Pathophysiologie, der Symptomatik und der Einleitung einer wirksamen Therapie. Der aktuelle Goldstandard der Kopfschmerz-Einordnung ist die zweite, überarbeitete  Klassifikation der International Headache Society (IHS) aus dem Jahr 2004. Diese unterscheidet 220 Kopfschmerzerkrankungen, die in 3 Teile (primäre Kopfschmerzen, sekundäre Kopfschmerzen, Gesichtsneuralgien) und 14 Hauptgruppen eingeordnet werden.  Der Aufbau der Klassifikation ist hierarchisch und untergliedert die Hauptgruppen weiter in Kopfschmerztypen,-subtypen und –unterformen.  Die Einordnung erfolgt anhand von festgelegten Kriterien aus den Bereichen Ätiologie, Kopfschmerzcharakteristik und klinischem Untersuchungsbefund.

Epidemiologie:
In Deutschland leiden mehr als 50 Millionen Menschen (Lebenszeitprävalenz 71%)  unter Kopf- und Gesichtsschmerzen verschiedener Intensität und Dauer. Zwei primäre Kopfschmerzerkrankungen sind dabei für 92% aller Kopfschmerzleiden verantwortlich:  Die häufigste Kopfschmerzform ist der Spannungskopfschmerz mit einer Lebenszeitprävalenz von 38% ; gefolgt von der Migräne (Lebenszeitprävalenz 28%). Bei den meistens Kopfschmerzarten besteht eine Alterswendigkeit und ein Geschlechter-verhältnis zu Ungunsten der Frauen (z.B. Migräne F/M 2,14 : 1). 

Migräne: (IHS-Klassifikation Code 1)
Migräne ist eine primäre Kopfschmerzerkrankung, die in 2 Hauptformen unterteilt werden kann: Migräne ohne Aura (1.1) und Migräne mit Aura (1.2). Die pathophysiologischen Zusammenhänge der Migräneentstehung sind immer noch nicht komplett geklärt. Es gibt eine Evidenz für die Relevanz der neurogenen Entzündung für die Pathogenese der Migräne. Diese neurogene Entzündung besteht aus den beiden Hauptkomponenten Vasodilatation und Extravasation. Als Auslöser dieser neurogenen Entzündung werden vasoaktive Neuropeptide (Substanz P, Neurokinin A, CGRP) angesehen. Zahlreiche andere Migränetrigger werden widersprüchlich diskutiert. Für die Ätiopathogenese der Migräne-Aura gibt es 2 unterschiedliche Erklärungsmodelle: „spreading hypoperfusion“ (= Reduktion des regionalen zerebralen Blutflusses) und „spreading depression“ (=primäre neuronale Depression der elektrischen Aktivität). Die schulmedizinische Therapie der Migräne besteht aus situationsadaptierter medikamentöser und nichtmedikamentöser Therapie. Die medikamentöse Attackenkupierung wurde durch die Einführung der Triptane revolutioniert. Ein Ranking der verschiedenenen Migräneprophylaktika gestaltet sich subjektiv (unterschiedliche nationale + internationale Therapieempfehlungen). Die Neuraltherapie nach Huneke kann sowohl im Migräneanfall (Ganglieninjektionen), als auch zur Prophylaxe (Störfeldtherapie) erfolgreich eingesetzt werden.

Spannungskopfschmerz (IHS-Klassifikation Code 2)
Häufigster Kopfschmerztyp mit den Hauptformen sporadische auftretender (2.1), gehäuft auftretender (2.2) und chronischer (2.3) Kopfschmerz vom Spannungstyp. Pathophysiologisch wird eine gestörte perikraniale Muskelschmerzempfindlichkeit angenommen. Am Anfang dieser pathogenetischen Kette stehen initiale Mikroläsionen im Muskel, bedingt durch eine Drosselung der muskulären Mikrozirkulation. Unterschiedliche aggravierende Faktoren können differenziert werden. Aus diesem Grunde ist häufig eine multifaktorielle Genese vorhanden. Beim Spannungs-kopfschmerz muss eine Dauermedikation mit herkömmlichen Schmerz-mitteln unbedingt vermieden werden! Darum haben primär nicht-medikamentöse Therapieverfahren einen herausragenden Stellenwert! Die Prophylaktika der 1. Wahl sind trizyklische Antidepressiva (Amitriptylin). Die Neuraltherapie ist auch hier eine sehr effektive Therapie (Injektion an C1/C2, N.occ.maj. et min.,Ggl.stellatum, Ggl.supremum).

Clusterkopfschmerz (IHS-Klassifikation Code 3)
Trigemino-autonome Kopfschmerzerkrankung (TAK) mit autonomen parasympathischen Symptomen im Kopfbereich und peri-/retroorbitaler Lokalisation. Pathophysiologisch bestehen entzündliche Prozesse im Sinus cavernosus und im Bereich der V. opthalmica superior. Dadurch entwickelt sich eine Behinderung des venösen Abflusses und eine Beeinträchtigung der ipsilateralen sympathischen Fasern, die mit der Art.carotis interna ziehen. Diese sind für die sympathische Versorgung des Auges, der Orbita der retroorbitalen Gefäße und des Gesichtes zuständig. Die Therapie der 1.Wahl zur Kupierung der akuten Clusterkopf-schmerzattacke ist die Inhalation von 100%-igem Sauerstoff (10l/min über 10 Min.). Die diesbezüglich effektivste medikamentöse Therapie ist Applikation von Sumatriptan 6mg s.c. Prophylaktika der 1.Wahl sind Ergotamintartrat und Verapamil. Die Neuraltherapie nach Huneke ist durch Injektionen u.a. an das Ggl. pterygopalatinum erfolgreich einsetzbar.

Zervikogener Kopfschmerz (IHS-Klassifikation 11.2.1)
Erstmal eigenständige spezifische Entität in der überarbeiteten IHS-Klassifikation. Pathoanatomische Grundlage ist die Konvergenz von zervikalen und trigeminalen Afferenzen im Hirnstamm. Die schulmedizinische Behandlung umfasst medikamentöse und manualmedizinische Therapien. Neuraltherapeutisch werden u.a. Injektionen im Versorgungsgebiet des N.trigeminus und im Bereich des cervico-cephalen Überganges durchgeführt.

 

Dr.Bernd Belles
Facharzt für Allgemeinmedizin
Naturheilverfahren-Akupunktur-Sportmedizin-Chirotherapie
Praxisschwerpunkt: Neuraltherapie nach Huneke
Vorstandsmitglied der Internationalen medizinischen Gesellschaft für Neuraltherapie nach Huneke e.V. (IGNH)
Am Sauerborn 28
54317 Gusterath
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